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Mittwoch, 20. September 2017

Der Quds-Komplex – Antisemitismus, Terror und Appeasement

Eine Diskussion mit Stephan Grigat, Fathiyeh Naghibzadeh und Thomas von der Osten-Sacken

 

 

 

Donnerstag, 9. Juli 2015, 19.00 Uhr

Humboldt-Universität, Hauptgebäude, Hörsaal 2097, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

 

Am „Quds-Tag“ (Quds = arabisch für Jerusalem) zeigt sich der Charakter des iranischen Regimes besonders deutlich. Es ist ein politischer Kampftag der „Islamischen Revolution“, an dem seit 1979 stets am letzten Freitag des Ramadan zur Vernichtung Israels aufgerufen wird. In Deutschland wird der Marsch seit den 1980er Jahren begangen und bildet heute die größte regelmäßig stattfindende antisemitische Versammlung in Deutschland.

Eine spürbare Kritik an Irans „Revolutionsführer“ Ali Chamenei, am Erlösungsantisemitismus oder der regelmäßigen Holocaustleugnung der Islamischen Republik gibt es hierzulande bis heute nicht.

Im Gegenteil konkurriert Deutschland mit Österreich, dem anderen Nachfolgestaat des Nationalsozialismus, um möglichst reibungslose Beziehungen mit Iran. Beide Länder stehen an der Spitze derjenigen westlichen Staaten, die jeden wirksamen Druck auf das iranische Regime untergraben, indem sie Sanktionen sabotieren. Mit Erfolg: Am 30. Juni sollen die gegenwärtig laufenden Verhandlungen mit dem iranischen Regime in ein Nuklear-Abkommen münden, trotzdem sich abzeichnet, dass ein Abkommen die atomare Infrastruktur des Regimes intakt lassen und so den Weg zur Atombombe ebnen würde.

Schon jetzt zeigt diese Nachsicht dem Regime gegenüber katastrophale Folgen. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit gelingt es der iranischen Despotie derzeit, einen arabischen Staat nach dem anderen ins Chaos zu stürzen. Der Machtbereich der „Islamischen Revolution“ hat sich binnen kurzer Zeit auf weite Teile von Irak, Syrien und Jemen ausgedehnt. Am augenfälligsten wirkt sich dieser „Revolutionsexport“ auf den Syrischen Bürgerkrieg aus, dessen entgrenzte Gewalt ohne die milliardenschwere und tatkräftige iranische Unterstützung für den syrischen Diktator Bashar al-Assad undenkbar ist. Umso katastrophaler, dass die meisten westlichen Staaten die Islamische Republik als Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat einbinden wollen.

Unsere Veranstaltung will klären, welche Auswirkungen die iranische Politik auf den Nahen Osten hat, welche Funktion dem al Quds-Tag dabei zukommt und warum Politik und Medien über diesen von radikal islamischen, rechten und linken Antiimperialisten unterstützten Aufruf zur Vernichtung Israels hinweg sehen. Es gilt zu diskutieren, was getan werden kann, um den Widerstand gegen die zerstörerische Politik der Islamischen Republik Iran zu organisieren.

 

Dr. Stephan Grigat hat an der FU Berlin in Politikwissenschaft promoviert und ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien. Er arbeitet als wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB und ist Autor von „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke & die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014).

Fathiyeh Naghibzadeh ist Mitbegründerin der Kampagne STOP THE BOMB in Deutschland und des Mideast Freedom Forum Berlin. Sie war als Co-Regisseurin an dem Film  „Kopftuch als System – Machen Haare verrückt?“ beteiligt, der die Bedeutung und Funktion des islamischen Kopftuchs befragt und veröffentlicht Artikel über die politische Lage im Iran.

Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftsführer der seit über 20 Jahren im Nahen Osten tätigen Hilfsorganisation Wadi e.V.. Er ist Publizist und ist Mitherausgeber verschiedener Bücher über die Region. Zuletzt erschien: "Verratene Freiheit - Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens". Über die Umwälzungen im Mittleren Osten und Nordafrika berichtet er auf seinem auf der Website der „Jungle World“ beheimateten Blog „Von Tunis nach Teheran“.

Moderation: Ulrike Becker, STOP THE BOMB und Antifaschistisches Berliner Bündnis gegen den Al-Quds Tag

 

 

Gefördert durch Mittel der Amadeu Antonio Stiftung